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Eiderente
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Die Eiderente (Somateria mollissima) ist eine Vogelart, die zur Familie der Entenvögel (Anatidae) gehört. Es ist eine groĂe, massig wirkende Meerente, die an der arktischen KĂŒste des Atlantiks und des Pazifiks lebt. In Europa kommt sie vor allem in Skandinavien vor. Die Brutpopulation der NordseekĂŒste ist wesentlich kleiner. Im Sommer finden sich im Wattenmeer jedoch groĂe Scharen nichtbrĂŒtender Eiderenten ein, denen sich im SpĂ€tsommer auch noch groĂe Scharen an Mauservögeln hinzugesellen.
Die deutschsprachige Bezeichnung dieser Ente bĂŒrgerte sich durch den Daunenhandel ein. Sowohl die Bezeichnung fĂŒr den Vogel als auch seine Federn (Eiderdaunen) sind dem islĂ€ndischen Êðr entlehnt.cite-ref-1[1] Im deutschen Sprachgebrauch wird sie gelegentlich auch als Eidergans oder St.-Cuthbertsente (s. Wappenvogel von Northumberland) bezeichnet. Die wissenschaftliche Artbezeichnung Somateria mollissima weist auf die weichen und wĂ€rmenden Daunen dieser Entenart hin. Somateria besteht aus zwei griechischen Wörtern. ÏÏΌα soma bedeutet âKörperâ und áŒÏÎčÎżÎœ Ă©rion bedeutet âWolleâ, wĂ€hrend das lateinische Adjektiv mollissima âsehr weichâ bedeutet. Ăbersetzt bedeutet der wissenschaftliche Name âsehr weicher Wollkörperâ.
Contents
âą Beschreibung
âą Fortpflanzung
âą Balzverhalten
âą Brut
âą Zugverhalten
âą Unterarten
âą Weiteres
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Beschreibung
Die Eiderente ist mit einer KörperlĂ€nge von durchschnittlich 58 Zentimetern etwas gröĂer als eine Stockente und erreicht durchschnittlich ein Körpergewicht von 2,2 Kilogramm. Die LĂ€nge kann von 60 bis 70 cm variieren, die FlĂŒgelspannweite von 95 bis 105 cm.cite-ref-svensson-2-0[2] MĂ€nnchen werden bei dieser Entenart in der Regel Ă€lter und sind gröĂer und schwerer als Weibchen. An Land wirkt die Ente plump und schwerfĂ€llig, sie ist jedoch ein guter Schwimmer und Taucher, der selbst mit starkem Seegang gut zurechtkommt. Aufgrund der hohen Schnabelwurzel, die direkt in die Stirn ĂŒbergeht, wirkt der Kopf der Eiderente keilförmig. Sie ist dadurch von anderen Entenarten gut zu unterscheiden, da dieses Profil nur bei dieser Entenart vorkommt.cite-ref-3[3] WĂ€hrend des Fluges ist die Eiderente an ihrer krĂ€ftigen Gestalt, dem dicken und kurzen Hals sowie der auffallenden Kopfform deutlich zu erkennen.
Die Eiderente zeigt in der GefiederfĂ€rbung einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus. Das Brutkleid des mĂ€nnlichen Vogels, der wie bei allen Enten als Erpel bezeichnet wird, ist am RĂŒcken und an der Brust ĂŒberwiegend weiĂ. An der Brust ist das Gefieder leicht rosafarben ĂŒberhaucht. Der Bauch, die Flanken, die BĂŒrzelmitte, der Schwanz, die Ober- und Unterschwanzdecke sowie die Kopfoberseite sind schwarz gefiedert. Am Nacken ist das Gefieder dagegen hell moosgrĂŒn. Die Nackenfedern sind leicht verlĂ€ngert, so dass sie eine kleine Holle bilden. Der Schnabel des Erpels ist beim Prachtkleid gelbgrĂŒn, ansonsten blaugrau bis grĂŒngrau. Die Ă€uĂeren Armschwingen sind schwarz, die inneren sind weiĂ und sichelförmig gebogen. Als Ruhekleid trĂ€gt das MĂ€nnchen dagegen ein dunkelbraunes Gefieder, das stellenweise mit weiĂen Gefiederpartien durchsetzt ist. Die BĂ€nderung des Gefieders ist allerdings etwas weniger auffĂ€llig als bei den Weibchen.
Das Weibchen trĂ€gt wĂ€hrend des gesamten Jahres ein unauffĂ€llig dunkel- bis gelblichbraunes Gefieder, durch das sich am Körper dichte schwarze GefiederbĂ€nder ziehen. Hals und Kopf sind dagegen stĂ€rker einfarbig braun. Das Gefieder hat dort nur eine feine, braunschwarze Strichelung. Sie Ă€hnelt damit im Gefieder den Weibchen vieler anderer Entenarten, durch die auffĂ€llige Kopfform ist sie jedoch leicht als Eiderente identifizierbar. Der Schnabel der Eiderente ist beim Erpel grĂŒnlich gefĂ€rbt, der der weiblichen Eiderente ist dunkelgrĂŒn. Die Schnabelspitze ist heller und weist eine breite und verhornte Spitze auf. Die Augenfarbe ist bei beiden Geschlechtern braun.
Jungvögel beider Geschlechter gleichen in ihrer GefiederfĂ€rbung den Weibchen. Sie sind jedoch etwas dunkler in ihrer Gefiederfarbe und weniger stark gebĂ€ndert. Junge Erpel tragen das voll ausgebildete Prachtkleid des MĂ€nnchens erst im dritten oder vierten Lebensjahr. Bereits im Prachtkleid des zweiten Lebensjahres zeigen sie jedoch deutlich die Schwarz-WeiĂ-Kontrastierung, wie sie fĂŒr adulte Erpel typisch ist. Zu diesem Zeitpunkt finden sich im Kopf- und Halsbereich noch Federn mit gelbbraunem Rand. Teile des RĂŒckengefieders sind noch schwarzbraun.cite-ref-4[4]
Verbreitung und Bestand
Die Eiderente kommt entlang der nördlichen KĂŒsten von Europa, Nordamerika und Ostsibirien vor. Sie brĂŒtet von der Arktis bis in die gemĂ€Ăigten Klimazonen, in Europa nach SĂŒden etwa bis zum Wattenmeer und ins nordwestliche Frankreich. An der nordamerikanischen AtlantikkĂŒste reicht das Brutgebiet bis nach Maine, am Pazifik bis nach SĂŒdalaska. Der Schwerpunkt des Brutgebietes der Eiderenten liegt auf Island, wo etwa 450.000 Paare brĂŒten, sowie an der Ostsee, wo sich bis zu 600.000 Paare zur Brut versammeln. Als BrutplĂ€tze nutzt die Eiderente kleine vegetationslose Felseninseln und SchĂ€ren, bewachsene oder bewaldete Inseln, geschĂŒtzte und ruhige Meeresbuchten mit flachen Ufern. Der nordamerikanische Bestand wird auf 750.000 bis 1 Million Paare geschĂ€tzt. Die IUCN schĂ€tzt den Gesamtbestand der Eiderente auf 2,5 bis 3,6 Millionen Tiere und stuft die Art als ânicht gefĂ€hrdetâ (least concern) ein.
Vögel aus den nördlichsten Brutgebieten, etwa aus Spitzbergen, ziehen zum Ăberwintern in die gemĂ€Ăigten Breiten, wo sie in geeigneten KĂŒstengewĂ€ssern groĂe Trupps bilden können. Sie ĂŒberwintern damit in den sĂŒdlicheren Regionen des Verbreitungsgebiets dieses Vogels. Die sĂŒdlichen Populationen sind dagegen weitgehend Standvögel.
Im Winter taucht die Eiderente regelmĂ€Ăig in geringer Zahl auch in groĂer Entfernung zum Meer an den gröĂeren Alpenseen auf. Seit den 70er Jahren ĂŒbersommern hier immer wieder einige Vögel. Am Zeller See im Land Salzburg gelang 1972 sogar ein Brutnachweis. Auch in der Schweiz ist die Eiderente in AusnahmefĂ€llen ein Brutvogel. 1988 brĂŒtete die Eiderente erstmals am ZĂŒrichsee, in den Folgejahren kam es auch zu weiteren Bruten am Neuenburger-, VierwaldstĂ€tter- und Walensee.
Lebensweise und ErnÀhrung
Die gesellig lebende Eiderente gehört zu den tagaktiven Enten mit ausgeprĂ€gter TauchfĂ€higkeit. Sie lebt ĂŒberwiegend von Muscheln bis zu einer GröĂe von 40 Millimetern und frisst auĂerdem Schnecken, Krebstierchen sowie â im Gegensatz zu anderen Entenarten â Fische. An der NordseekĂŒste nutzt sie vor allem die MiesmuschelbĂ€nke. Im Binnenland frisst die Eiderente auĂerdem die eingebĂŒrgerten Dreikantmuscheln. Pflanzliche Nahrung spielt bei dieser Ente keine groĂe Rolle. Allerdings frisst das Weibchen wĂ€hrend der Brutzeit auch Vegetabilien und nimmt dabei besonders die Pflanzen auf, die in der NĂ€he des Nestes wachsen.cite-ref-5[5]
Muscheln erbeutet die Eiderente, indem sie entweder den Wattboden absucht oder sie im Wasser ertaucht. Mit Hilfe ihres krĂ€ftigen Schnabels ist sie in der Lage, Muscheln von ihrer Unterlage abzureiĂen oder nach ihnen im Wattboden zu graben. AngespĂŒlter Seetang wird von ihr gleichfalls nach Wasserinsekten, Muscheln und Schnecken abgesucht. Die Eiderente taucht gewöhnlich nach Muscheln bis zu einer GewĂ€ssertiefe von sechs Metern und bleibt etwas mehr als eine Minute unter Wasser. Unter Wasser nutzt sie dabei ihre FlĂŒgel zur Fortbewegung. Einzelne Beobachtungen sprechen davon, dass die Eiderente auch wesentlich tiefere Meeresböden erreichen kann. TauchgĂ€nge in Tiefen bis zu 50 Meter wurden bereits beobachtet.cite-ref-6[6]
Die Muscheln werden mit den Schalen gefressen. Im starken Kaumagen der Eiderente werden sie geknackt; die SchalentrĂŒmmer scheidet die Ente anschlieĂend als Speiballen aus. Das mit der Nahrung aufgenommene Salz wird ĂŒber SalzdrĂŒsen in der Stirn wieder abgegeben. Die Eiderente nutzt die Gezeitenwechsel gezielt aus, um auch solche Meeresregionen nach Nahrung abzusuchen, die fĂŒr sie bei Flut nicht erreichbar wĂ€ren.
Fortpflanzung
Balzverhalten
Die Weibchen der Eiderente erreichen ihre Geschlechtsreife bereits in ihrem zweiten Lebensjahr. Nur ein Teil der zweijÀhrigen Weibchen kommt allerdings auch schon zur Brut. Die Erpel dagegen beteiligen sich an der Balz erst in ihrem dritten Lebensjahr. Erst dann ist bei ihnen das Gefieder der erwachsenen Erpel weitgehend ausgebildet. Die Erpel beginnen mit ihrer Balz im Dezember. Erst im SpÀtwinter beteiligen sich auch die Weibchen daran. Es handelt sich um eine Gesellschaftsbalz, bei der sich bis zu 10 MÀnnchen in der NÀhe eines Weibchens versammeln. Junge, noch nicht geschlechtsreife Erpel halten sich hÀufig in der NÀhe solcher balzenden Erpel auf und zeigen auch bereits erstes Balzverhalten.cite-ref-rutschke281-7-0[7]
WĂ€hrend der Balz ruft das MĂ€nnchen ein weiches, dumpfes zwei- bis dreisilbiges ahoo oder hu-huĂșuu, das ĂŒber das Watt oder die WasserflĂ€chen sehr weit zu hören ist. Junge MĂ€nnchen beherrschen diesen Ruf noch nicht. Ihr Ruf klingt heiserer und ist lautmalerisch mit gro-gro-Ăł umschrieben. Das Weibchen antwortet auf die Balzrufe des MĂ€nnchens mit gockelndem goggoggoggog und knarrendem krrr.cite-ref-stimmen-8-0[8]
Der Erpel zeigt wĂ€hrend der Balzrufe eine charakteristische Körperbewegung, die gelegentlich auch als âeine Verbeugung nach hintenâ beschrieben wird.cite-ref-stimmen-8-1[8] Dabei legt der Erpel seinen Kopf weit in den Nacken und wölbt die Brust vor. Gewöhnlich umwerben mehrere MĂ€nnchen ein Weibchen. Zu den typischen Balzhaltungen der Erpel gehören ein Imponierschwimmen, bei dem der Kopf langsam von rechts nach links gedreht wird, sowie das Strecken des Körpers aus dem Wasser, bei dem die FlĂŒgel nach hinten weggespreizt werden.
Seine Paarungsbereitschaft signalisiert das Weibchen, indem es sich flach auf das Wasser legt. Zur Paarung schwimmt der Erpel auf die Ente, drĂŒckt sie dabei fast völlig unter Wasser und beiĂt ihr mit dem Schnabel in den Nacken. Die Paarung selbst dauert nur wenige Sekunden.
Bei der Ankunft im Brutgebiet ist die Mehrzahl der Weibchen verpaart. Eine Paarbindung besteht in der Regel nur fĂŒr ein Jahr. Die ortstreuen Weibchen verpaaren sich aber gelegentlich mit dem gleichen Erpel im nĂ€chsten Jahr erneut, wenn dieser in dasselbe Revier zurĂŒckkehrt.
Brut
Eiderenten brĂŒten einzeln oder in kleinen Gruppen. HĂ€ufig befinden sich in den Brutgebieten aber auch gröĂere Kolonien. Kolonien von bis zu 1.000 Paaren kommen beispielsweise auf Island vor. An geeigneten PlĂ€tzen können sich zwei bis drei Nester je Quadratmeter befinden. Eiderenten meiden Steilufer, schroffe Felsen und windexponierte Stellen. Steigt das Ufer sanft an, befinden sich die Kolonien mitunter mehrere hundert Meter von der KĂŒstenlinie entfernt, so dass die Nester auch bei Hochwasser nicht vom Wasser erreicht werden.cite-ref-rutschke281-7-1[7]
Der Neststandort ist abhĂ€ngig von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten. Auf vegetationslosen BrutplĂ€tzen errichtet das Weibchen das Nest zwischen dem Geröll. Das Nest ist dann nicht mehr als eine flache Mulde, die aber windgeschĂŒtzt liegt. Ist eine krautige Vegetation oder GebĂŒsch vorhanden, liegen die Nester in ihrem Schutz. Gelegentlich nutzt das Weibchen auch alte Möwennester als Nistplatz. Auf bewaldeten Inseln errichten die Eiderenten ihre Nester auch im Schutz von BĂ€umen. Eiderenten nutzen regelmĂ€Ăig ihre alten BrutplĂ€tze wieder, was die Vegetation in ihrem Brutgebiet beeinflusst. Bedingt durch den abgesetzten Entenkot sind die Stellen um die Nester krautig oder mit ZwergstrĂ€uchern bewachsen.cite-ref-rutschke282-9-0[9]
Die Brutzeit liegt je nach Region und Wetterbedingungen im Zeitraum von Anfang April bis Mitte Mai. Das Weibchen legt in der Regel vier bis sechs grĂŒnlich-graue Eier in die mit Bauchdaunen ausgepolsterte Nistmulde. Das Legeintervall betrĂ€gt 24 Stunden. Sind mehr als neun Eier im Nest, handelt es sich in der Regel um Mehrfachgelege, die bei Eiderenten wie bei anderen in Kolonien brĂŒtenden Enten und HalbgĂ€nsen hĂ€ufig vorkommen. VerlĂ€sst das Weibchen wĂ€hrend der Brut die Eier, bedeckt es diese mit Daunen, um den WĂ€rmeverlust zu vermindern. Durch Störungen aufgeschreckte Weibchen spritzen beim Auffliegen Kot ĂŒber die Eier. Die Eier werden 25 bis 26 Tage ausschlieĂlich durch das Weibchen bebrĂŒtet, das wĂ€hrend dieser Zeit fastet. Das MĂ€nnchen hĂ€lt sich unterdessen in der NĂ€he des Nestes auf. Es schrĂ€nkt in dieser Zeit sogar die Nahrungsaufnahme ein, so dass die Erpel an Körpergewicht verlieren.cite-ref-rutschke282-9-1[9] Ist die Brut jedoch hinreichend weit fortgeschritten, wandern die MĂ€nnchen zu den MauserplĂ€tzen ab.
Die Jungvögel werden nach dem SchlĂŒpfen von dem Weibchen gefĂŒhrt. Auf dem Meer schwimmend betreut das Weibchen die Jungvögel bis in den SpĂ€tsommer hinein. Diese FĂŒhrungszeit betrĂ€gt etwa 65 bis 75 Tage. WĂ€hrend dieser FĂŒhrungszeit kommt es hĂ€ufig zur Vergesellschaftung mit mehreren Familien, die sich wieder auflösen, sobald die Jungvögel flugfĂ€hig sind.
Zugverhalten
Eiderenten sind verhĂ€ltnismĂ€Ăig standorttreue Tiere, die zum Teil in ihren Brutrevieren auch ĂŒberwintern. Der ĂŒberwiegende Teil der Population nutzt allerdings separate Mauser- und Ăberwinterungsquartiere, wobei ĂŒberwiegend nur kurze Strecken gezogen werden.
Zur Mauser ziehen die Vögel nach der Brut in ihre Mauserquartiere, viele Vögel sind dann beispielsweise im Wattenmeer anzutreffen. Dabei bevorzugen die dann nur eingeschrĂ€nkt flugfĂ€higen Eiderenten Gebiete, in denen sie weitgehend ungestört sind. Ein Habitat ist die unbewohnte Insel Trischen vor der KĂŒste von Dithmarschen, wo ca. 9.500 Eiderenten, die von der Ostsee her stammen, eine Vollmauser durchfĂŒhren. Das bedeutet, dass sie neben dem Körpergefieder auch ihr GroĂgefieder erneuern. Die GroĂgefiedermauser setzt nach der Mauser des Körpergefieders ein und umfasst Schwung- und Steuerfedern, was dazu fĂŒhrt, dass die Eiderente zunĂ€chst eine Zeitlang flugunfĂ€hig ist. In dieser Zeit ist sie möglichen Feinden eine leichte Beute, so dass sie sichere PlĂ€tze mit guter Nahrungsgrundlage benötigt, um diese kritische Phase zu ĂŒberstehen. Dies ist z. B. auf Trischen gegeben.cite-ref-10[10] Ihre Fluchtdistanz gegenĂŒber Menschen erhöht sich in dieser Zeit von normalerweise 100 bis 300 Meter auf 500 bis 1.000 Meter. Der Mauserzug ist daher dadurch bedingt, dass sie groĂe Ruhezonen benötigen. KĂŒstenbereiche, in denen sie sich sonst aufhalten, die ihnen aber nicht ausreichend RĂŒckzugsmöglichkeiten bieten, werden wĂ€hrend dieser Zeit von den Eiderenten gemieden.
Mittlerweile nutzen die Eiderenten auch einige gröĂere Alpenseen als Quartier fĂŒr ihre Mauser. So sind Eiderenten wĂ€hrend dieser Zeit beispielsweise auch am Bodensee zu beobachten, wo sich bis zu hundert Vögel versammeln. Gelegentlich dienen die Mauserquartiere auch als Ăberwinterungsort â so beispielsweise im Wattenmeer. Gelegentlich suchen sie aber ab Oktober bis November separate Ăberwinterungsquartiere auf, von denen sie ab Februar bis MĂ€rz in Richtung ihrer Brutgebiete zurĂŒckkehren. Die auf Island und Spitzbergen brĂŒtenden Vögel erreichen ihre BrutplĂ€tze in den Monaten April bis Mai.
Fressfeinde und andere natĂŒrliche Todesursachen
In den nördlichsten Regionen ihres Verbreitungsgebietes zĂ€hlen die Schneeeule und der Polarfuchs zu den Fressfeinden der Eiderente. In den sĂŒdlicheren Verbreitungsgebieten gehören der Uhu, der Seeadler und der Rotfuchs zu den Arten, die in der Lage sind, die schwere Ente zu erlegen.
KĂŒken und Eier sind auĂerdem durch Möwen sowie verschiedene Rabenvögel (beispielsweise Raben- und NebelkrĂ€he sowie Kolkrabe) bedroht. GefĂ€hrdet sind die Jungvögel jedoch auch durch den Befall mit Parasiten, von denen einige sich auf die Eiderente als Zwischenwirt spezialisiert haben. Viele der Jungvögel leiden beispielsweise an SaugwĂŒrmern, die zu einer SchwĂ€chung der Jungvögel und gelegentlich zu ihrem Tod fĂŒhren. Zu einem Massensterben von Eiderenten kann es auĂerdem kommen, wenn in strengen Wintern die MeereskĂŒsten vereisen und die Eiderenten nicht mehr in der Lage sind, die Muscheln auf dem Meeresboden zu erreichen.
Unterarten
In dem groĂen Verbreitungsgebiet der Eiderente werden sechs Unterarten unterschieden, wobei Ăbergangs- und Mischpopulationen die genaue Abgrenzung der Unterarten schwierig machen:
âą Somateria mollissima mollissima ist die Nominatform und hat ihr Brutgebiet in Nordwesteuropa.
⹠S. m. faeroeensis ist die kleinste Unterart der Eiderente und nur auf den FÀröer-Inseln zu finden. Das Weibchen dieser Unterart ist etwas dunkler gefÀrbt.
⹠S. m. borealis ist die Unterart, bei der das MÀnnchen einen orangegelben Schnabel hat und das Gefieder des Weibchens mehr rötlich-braun gefÀrbt ist. Diese Unterart ist vor allem im arktischen Nordatlantik zu finden.
⹠S. m. sedentaria lebt in der Hudson Bay; das Weibchen fÀllt durch ein eher graubraunes Gefieder auf.
âą S. m. v-nigrum ist in der nordpazifischen Region von den Neusibirischen Inseln bis in das arktische Kanada zu finden. Es handelt sich um die gröĂte Unterart, bei der ausgewachsene Erpel an Kinn und Kehle ein breites, schwarzes V-Abzeichen haben.
Mensch und Eiderente
Jagd und sonstige Beeinflussung durch den Menschen
Die Jagd auf die Eiderente ist in den skandinavischen LĂ€ndern bis auf Island sowie in Russland erlaubt. Sie wird dort zum Teil sehr stark bejagt. In Norwegen sind die groĂen Brutgebiete der Eiderente allerdings inzwischen geschĂŒtzt. Auf Island wurde sie 1786 teilweise und seit 1847 völlig geschĂŒtzt.
Neben der Jagd kommt es auch zu Verlusten von Gelegen und KĂŒken, wenn Eiderenten durch Menschen gestört werden. Dies trifft vor allem auf die KĂŒstenabschnitte zu, die stark touristisch genutzt werden. Eiderenten leiden auĂerdem an der Verschmutzung der Meere durch Pestizide. Die Niederlande wurden beispielsweise ab dem Jahre 1925 von Eiderenten besiedelt. Der Bestand wuchs relativ schnell auf 6.000 Individuen, brach jedoch dann auf Grund von Pestizidbelastungen stark ein.cite-ref-goodersboyer110-11-0[11] Bei ĂlunfĂ€llen gehört sie zu den Arten, die aufgrund der Verschmutzung des Gefieders und dem Entzug der Nahrungsgrundlage in groĂer Anzahl sterben. Im Jahre 1970 kamen im Kattegat beispielsweise nach einem Ălunfall 30.000 Eiderenten ums Leben.cite-ref-goodersboyer110-11-1[11]
Wappenvogel von Northumberland
Eine der bekanntesten Kolonien von Eiderenten befindet sich auf den Farne-Inseln vor Northumberland, GroĂbritannien. Die dort brĂŒtenden Vögel waren Gegenstand eines der Ă€ltesten Vogelschutzgesetze der Welt, das der Heilige Cuthbert im Jahre 676 n. Chr. erlieĂ, daher rĂŒhrt auch der Name St.-Cuthberts Ente.cite-ref-12[12] Heute brĂŒten noch etwa 1.000 Entenpaare auf diesen Inseln. Da der Heilige Cuthbert der Schutzpatron von Northumberland ist, wurde die Eiderente zum Wappentier dieses Landkreises. Eiderenten werden dort gelegentlich auch Cuddyâs ducks genannt, da Cuddy der Kosename fĂŒr Cuthbert ist.
Wirtschaftliche Nutzung
Die Eiderente ist der Lieferant der Eiderenten-Daune, die eine hohe WĂ€rmespeicherkapazitĂ€t besitzt. Eiderdaunen galten ĂŒber lange Zeit als das beste Material, das fĂŒr die FĂŒllung von Bettdecken verwendet werden konnte. Eine gezielte kommerzielle Ausbeute dieser Eiderdaunen begann bereits vor dem 10. Jahrhundert.cite-ref-sale-13-0[13]
Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts stellten Eiderdaunen einen der wichtigsten Exportartikel Islands dar. Auch heute kommt dort der Eiderente aufgrund dieser Daunen eine gröĂere wirtschaftliche Bedeutung zu. Mit den weichen und warmen Daunen werden Kissen und Bettdecken gefĂŒllt. Die Ernte dieser Daunen ist dabei durchaus mit dem Artenschutz vertrĂ€glich, da normalerweise die Federn verwendet werden, mit denen Eiderenten ihre Nester auspolstern und diese Federn geerntet werden können, nachdem die jungen Enten das Nest verlassen haben. Ein Daunennest wiegt im Schnitt nur rund 20 Gramm. Die Reinigung der Daunen von Pflanzenteilen ist eine zeitintensive Arbeit, die Stunden in Anspruch nimmt. Nur etwa 1,5 Gramm verwendbarer Daunen pro Nest bleiben nach diesem Reinigungsprozess ĂŒber, so dass etwa die Ernte von 700 Nestern gebraucht wird, um ein Kilogramm handelbarer Eiderdaunen zu erhalten.cite-ref-sale-13-1[13] In einer Dokumentation des Senders Arte aus dem Jahr 2019 wird jedoch gezeigt, dass die Ernte der Daunennester auf Island bereits wĂ€hrend der Brutzeit erfolgt, durch Austausch mit Stroh.cite-ref-14[14]
Haltung von Eiderenten
Eiderenten werden aufgrund des attraktiven Brutkleides der MĂ€nnchen zunehmend in Gehegen gehalten. Es sind friedfertige Vögel, die sich gut mit anderen Wasservögeln vertragen. FĂŒr ihr Wohlbefinden brauchen diese Enten jedoch hinreichend tiefe Teiche mit sauberem Wasser.
Weiteres
Der Asteroid des Ă€uĂeren HauptgĂŒrtels (8756) Mollissima ist nach der Eiderente benannt (wissenschaftlicher Name Somateria mollissima). Zum Zeitpunkt der Benennung des Asteroiden am 2. Februar 1999 befand sich die Eiderente auf der niederlĂ€ndischen Roten Liste gefĂ€hrdeter Arten.
Literatur
âą Franz Robiller: Lexikon der Vogelhaltung. Landbuch, Hannover 1986, ISBN 3-7842-0322-1.
⹠Eckart Pott: Vögel am Meer. Landbuch, Hannover 1987, ISBN 3-7842-0364-7
âą Steve Madge: WassergeflĂŒgel. Ein Bestimmungsbuch der SchwĂ€ne, GĂ€nse und Enten der Welt. Paul Parey, Hamburg und Berlin 1989, ISBN 3-490-19018-1.
âą Tom Bartlett: Ducks and Geese â A Guide to Management. Crowood, Marlborough 1986, 2002, ISBN 1-85223-650-7.
âą John Gooders, Trevor Boyer: Ducks of Britain and the Northern Hemisphere. Dragonâs World Ltd, Surrey 1986, ISBN 1-85028-022-3.
⹠Hartmut Kolbe: Die Entenvögel der Welt. Ulmer, Stuttgart 1999, ISBN 3-8001-7442-1.
âą Erich Rutschke: Die Wildenten Europas â Biologie, Ăkologie, Verhalten. Aula Verlag, Wiesbaden 1988, ISBN 3-89104-449-6.
âą Richard Sale: A Complete Guide to Arctic Wildlife. Verlag Christopher Helm, London 2006, ISBN 0-7136-7039-8.
Weblinks
Commons
: Eiderente
â Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Eiderente
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⹠Somateria mollissima in der Roten Liste gefÀhrdeter Arten der IUCN 2024.1. Eingestellt von: BirdLife International, 2018. Abgerufen am 13. August 2024.
âą Eiderente (Somateria mollissima) bei Avibase
âą Eiderente (Somateria mollissima) auf eBird.org
âą xeno-canto: Tonaufnahmen â Eiderente (Somateria mollissima)
âą Common Eider (Somateria mollissima) in der Encyclopedia of Life. (englisch).
âą Federn der Eiderente
Einzelnachweise
cite-note-11. â Kluge, Etymologisches Wörterbuch, Eintrag âEiderâ
cite-note-svensson-22. â Lars Svensson (Text, Karten), Killian Mullarney, Dan Zetterström (Illustrationen und Bildlegenden): Der Kosmos VogelfĂŒhrer: alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. 2. Auflage. Kosmos, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12384-3, S. 36 f. (schwedisch: FĂ„gelguiden. Ăbersetzt von Peter H. Barthel).
cite-note-33. â Rutschke, S. 278
cite-note-44. â Rutschke, S. 279
cite-note-55. â Rutschke, S. 280
cite-note-66. â Klaus Janke/Bruno P. Kremer: Das Watt. Lebensraum, Tiere und Pflanzen, Stuttgart : Franckh 1990, S. 93, ISBN 3-440-06035-7
cite-note-rutschke281-77. â Rutschke, S. 281
cite-note-stimmen-88. â Hans-Heiner Bergmann; Hans-Wolfgang Helb; Sabine Baumann; Die Stimmen der Vögel Europas â 474 VogelportrĂ€ts mit 914 Rufen und GesĂ€ngen auf 2.200 Sonogrammen, Aula-Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-89104-710-1, S. 65 und S. 66
cite-note-rutschke282-99. â Rutschke, S. 282
cite-note-1010. â Melanie Theel: Die Allerweichste mit dem schwarzen Körper. In: nabu. NABU â Naturschutzbund Deutschland e. V., Landesverband Schleswig Holstein, 26. Juni 2023, abgerufen am 28. Juni 2023.
cite-note-goodersboyer110-1111. â Gooders und Boyer, S. 110
cite-note-1212. â Stephen Moss: Birds Britannia, Why the British fell in love with birds, HarperCollins Publisher, London 2011, ISBN 978-0-00-741344-7, S. 72 und S. 73
cite-note-sale-1313. â Sale, S. 115
cite-note-1414. â phoenix. Abgerufen am 7. Januar 2022.